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Was uns stark macht – Anna Noß von Kinderwärts

Resilienz – was ist das eigentlich? Sehr sehr kurz gefasst, bedeutet der Begriff der Resilienz so viel wie „psychische Widerstandskraft“. Als resilient werden die Menschen bezeichnet, die es schaffen, trotz Stressituationen oder nach (schweren) Schicksalsschlägen wieder zurückzufinden – zurück zu ihrer Hoffnung, ihrem Optimismus, ihrem Lebensmut.

Kann man Resilienz lernen? Diese Frage lässt sich mit einem klaren Ja beantworten. Ich gehe sogar noch weiter: Ich bin der festen Überzeugung, dass jedem Menschen die Fähigkeit zur Resilienz inne wohnt. Manche von uns müssen es nur wieder erlernen. Andere leben ein erfülltes Leben voll Höhen und Tiefen und finden wie von selbst immer wieder zu ihrem eigenen inneren Gleichgewicht zurück.

Wie verhält sich das mit der Resilienz bei uns Mamas? Der Sprung vom kinderlosen, selbstbestimmten Leben in das Leben einer Mutter stellt einen tiefen Einschnitt in die eigene Biografie dar. Unser Lebensmittelpunkt verlagert sich völlig. Die Prioritäten ändern sich und der gesamte Lebensrhythmus muss neu angepasst werden.
Hierfür bedarf es innerer Stärke und verschiedener Ressourcen, die uns dabei Helfen, Kraft für die Neuausrichtung unseres Lebens zu schöpfen.

In meiner neuen Blogserie „Was uns stark macht“ interviewe ich Menschen, in denen ich eine besondere Stärke sehe. Ich versuche herauszufinden, welche Herausforderungen sie in ihrem Leben bereits bewältigt haben, woraus sie Kraft schöpfen konnten und welche inneren Glaubenssätze ihnen zu ihrer Stärke verholfen haben.

Anna Noß ist ein solcher Mensch. Anna Noß ist Pädagogin mit einer Mission. Auf ihrem Blog kinderwaerts.de schreibt sie über einen wertschätzenden Blick auf Kinder, der es ihnen auf ihrem Lebensweg  ermöglichen soll, ihre innere Stärke wahren glückliches Leben bestreiten zu dürfen.
Das hat mich natürlich neugierig gemacht und mich dazu angeregt, die Arbeit dieser wundervollen Frau nun seit etwas Längerem mit großer Freude zu verfolgen.

Als Diplom Religionspädagogin, Mediatorin und Familienbegleiterin, sowie Fachkraft für Integration greift sie an ein breites Sprektrum von Praxiserfahrung in der Arbeit mit Kindern zurück.
Außerdem baute sie ein sozial-kulturelles Projekt (blu:boks Berlin) mit auf.

Die Inhalte ihrer Arbeit sind so liebevoll und voller Stärke, dass ich euch diese Frau einfach vorstellen muss!
Die Kinderbetreuung mal aus Sicht der betreuenden Seite kennenzulernen, halte ich für sehr Spannend! Mit Sicherheit, kann die Arbeit dieser Frau euren Blick auf das Leben mit euren Kindern bereichern!

Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen!

 


 

 

Hallo liebe Anna, hast du Lust,  uns die für dich drei wertvollsten Dinge im Leben zu verraten?

Freundschaft, Gesundheit und die Schönheit und das Glück in den kleinen Dingen des Lebens (Ich bin eine Kopf-in-die-Sonne-Halterin, eine bei-jeder-schönen-Blume-stehen-Bleibende, eine Herz-Steine-Finderin, eine glückliche Seele, wenn ich ein Kinderlachen höre…).

Hast du das Gefühl, bereits eine schwierige Lebenssituation gemeistert zu haben?

Ja. 🙂

Was hat dir durch diese Zeit geholfen?

Menschen an meiner Seite, eine Therapie und das Hören und ernst nehmen, was mein Körper mir zu sagen hat.

 
Gab oder gibt es bestimmte Rituale oder Glaubenssätze in deinem Leben, durch die du dich gestärkt fühlst? Kannst du sie kurz beschreiben?

Ich glaube tatsächlich.
Ich glaube, es gibt etwas/jemanden (… da fängt es schon an… es ist schwierig, es in einem Interview und auch so auf den Punkt zu bringen) das oder der all dies hier geschaffen hat. Ich glaube, das ist etwas ganz Großes und gleichzeitig ganz kleines. Zum Beispiel in Form von einer inneren Stimme in uns, einem Bauchgefühl.
Ich bin mit christlichen Werten groß geworden, habe auch Religionspädagogik studiert, ich habe viele Fragezeichen an Kirche und auch an christliche Glaubensgemeinschaften, aber bestimmte Traditionen und Rituale begleiten mich schon mein Leben lang und sind wie Anker in meinem Leben. Ich finde auch, dass Jesus eine ganz faszinierende Art gehabt hat, mit Menschen umzugehen. Ich glaube, diese bedingungslose Liebe, dieses tiefe Bedürfnis nach Bindung und gleichzeitiger Autonomie und dem Wunsch diese Welt zu gestalten, etwas was wir bei kleinen Kindern noch so gut in ihrer Ursprünglichkeit sehen. Das ist etwas, was für alle Menschen so gedacht ist, nicht nur zu Beginn ihrer Lebens, sondern vom Anfang bis zum Ende.
Diese Welt ermöglicht uns das nicht (da gibt es so viel Bruch schon in der eigenen Erziehung, es gibt so viel Unfrieden, Missgunst, Krieg usw.). Aber die Sehnsucht ist in jedem Menschen, so sind wir gemacht, vorgeburtlich sind wir schon tief so geprägt.

Wenn Glaube es schafft, diese Sehnsucht ein Stück weit zu stillen und gute Beziehungen untereinander zu ermöglichen, dann hat er für mich eine Berechtigung. Für alles andere (moralische Einstellungen, Druck, Schuld, Gerechtigkeit, schwarz-weiß Denken…) übrigens nicht.

Welche Rolle spielen die Beziehungen zu verschiedenen Menschen in deinem Leben?

Eine sehr sehr große Rolle. Ich bin zwar auch sehr gerne allein, aber ein absoluter Beziehungsmensch. Ich wäre nicht die, die ich bin, wenn mich nicht all diese Menschen auf meinen Lebensweg geprägt hätten. Manche sind eine Teilstrecke mit mir gegangen, manche begleiten mich schon sehr lange und hoffentlich für immer. 🙂

Gibt es Menschen in deinem Leben, die für dich eine wahre Krafttankstelle sind? Was macht diese Menschen für dich besonders?

Das sind Menschen, die in sich ruhen, ganz bei sich und somit auch offen für mich. Menschen, die nicht ständig sagen, „das verstehe ich, weil ich das auch schon erlebt habe“ oder die immerzu von sich sprechen. Sondern mit denen ein echter Dialog möglich ist, indem wir voneinander hören, was uns beschäftigt, was wir erleben, welche Gefühle und Bedürfnisse wir warum haben und zusammen lachen können.

Was tust du an einem grauen regnerischen Tag?

Auf jeden Fall trotzdem rausgehen (man unterschätze nie die Kraft von echtem Tageslicht, sei es noch so dunkel und grau … ;))

Ansonsten habe ich an Wintertagen einen enormen Verbrauch von heißem Wasser für Tee, Kakao und Wärmflaschen.

Wie stärkst du deine Kinder wenn du merkst, dass sie sich einer belastenden Situation ausgesetzt fühlen?

Die wichtigste Botschaft an „unsere“ Kinder: du bist ok, so wie du bist!!!!!!!!

Ich glaube, wenn wir Kinder lernen lassen, ihre Gefühle auszuleben und sie wissen lassen, es ok, was du fühlst, und sie darin begleiten auszuprobieren, was hilft, diese Gefühle zu bewältigen, dann machen wir die Welt ein Stück besser.

Was denkst du stellen die beste Krafttankstellen für Kinder dar?

Menschen, die ihnen gleichwürdig begegnen. Und die Möglichkeit Dingen nachzugehen, die sie begeistern. Das klingt simpel, passiert aber selten, weil wir Kinder ständig unterbrechen. Ich empfehle von Herzen an dieser Stelle André Stern, ein sehr inspirierender Mensch und Autor.

Vermitteln wir Kindern Optimismus oder sind es wir, die das wieder lernen müssen?

Wir sind keine optimistische Gesellschaft… Zack. Beweist direkt diese Aussage auch wieder ;). Aber wir können das wieder lernen. Erstens all das zu sehen, was schon gut läuft und dankbar dafür zu sein und zweitens trotzdem nicht müde zu werden, Dinge zu ändern, anzupacken, zu inspirieren, und diese Haltung auch unseren Kindern zu vermitteln.

Dein Lieblingsmotto für ein starkes glückliches Leben?

Wenn ich auf den Kontakt mit Kindern schaue, denke ich an Friedrich Fröbel, der mal gesagt hat, dass das Schöne ist, dass man im Zusammensein mit Kindern säend schon die Blüten und Früchte gewinnt, und zwar doppelt: in sich und in den Kindern. Kinder können uns wieder heil machen, uns inspirieren, wir können so viel von ihnen lernen. Da ihre Seelen so rein und ursprünglich sind, können unsere Seelen gesund bleiben oder werden.

Außerdem glaube ich, dass Dankbarkeit ein Schlüssel für ein glückliches Leben ist.

Vielen Dank, liebe Anna!

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Wenn ihr mehr über Anna und ihre Arbeit sucht, schaut doch mal hier vorbei:

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